Boliven - Erste Berichte von Jasmin Lange
Hola liebe Familie, Freunde und Bekannte,
Ihr alle habt an Pfingsten des vergangenen Jahres am Bohnengewinnspiel teilgenommen und euch fuer meinen Erfahrungsbericht aus Bolivien intressiert. Aus meinem absolut mangelndem technischem Verstaendnis habt ihr leider den Bericht bisher noch nicht erhalten, das tut mir unglaublich leid. Hier jetzt der erste Bericht.
Ich hoffe ihr hattet alle eine frohe Weihnacht und " ´nen guten Rutsch ins neue Jahr". Ich habe Weihnachten und Sylvester mit meiner Gastfamilie verbracht, aber dazu mehr in Bericht 3, ich will ja nichts vorwegnahmen.
Noch einem Vielen Dank fuer eure Hilfe und Unterstuetzung,
Jasmin Lange
Erfahrungsbericht Nr. 1
Der Flug und eine Nacht in Bueos Aires
25.08.08 10:30
Abflug in Frankfurt. Fast 30 Freiwillige machen sich auf den Weg in eine andere Welt, die dennoch auf dieser Erde liegt. Das Vorläufige Ziel ist Buenos Aires – Argentina. Knapp 16 Millionen Einwohner, knapp 14 Stunden Flug. In Buneos Aires ist es 18:30. Wir werden von den ehemaligen Buenos Aires Freiwilligen empfangen und fahren ca. eine Stunde in ihre WG, in welcher sie nun nur noch eine Woche leben werden. Eine beschauliche 2-Zimmerwohnung mit Dachterrasse. Die ersten Freiwilligen haben es geschafft. Sie sind in ihrem neuen Zuhause, ihrer neuen Umgebung angekommen. Nachdem wir Empanadas gegessen und argentinisches Bier getrunken haben machen sich 12 der 30 Leute auf den Weg in die 2. Freiwilligen WG in BA. Es ist schon dunkel und ich gehe ins Bett. Ich wache dank einem Mückenstich mitten in der Nacht auf und kann nicht mehr richtig schlafen, da mich ständig träume quälen, in denen ich Malaria habe.
Am nächsten Morgen stehen wir gegen 9 Uhr auf. Wir laufen zum Bäcker, 2 Blocks um die Ecke. Das Stadtbild ist geprägt von alten amerikanischen Autos, kleinen Häusern, vielen kleine Geschäften, die Tiendas genannt werden, und Hunden.
Die meisten Häuser sind nicht sehr hoch und haben alle ein flaches Dach. Und dennoch hat dieses Stadtbild etwas schönes. Die Menschen wirken auf mich nicht unzufrieden, eher beschäftigt. Sie gehen unterschiedlichen Tätigkeiten nach, der Senor neben der WG verkauft Tiernahrung.

Christoph, ein „Noch-Freiwilliger“ erzählt uns das er das Tratschzentrum des Viertels ist und dass man ihm deswegen nie zuviel erzählen dürfte, sonst wisse es gleich die ganze Umgebung.
Um die Ecke schrauben einige Männer an einem alten Bus, ein Pferdegespann trottet vorbei. Die Frau im Beckerladen scheint überrascht über uns, schließlich laufen nicht jeden Tag 8 Gringos in ihr Geschäft. Christoph erläutert ihr den Anlass. Sie findet nicht das wir wie deutsche Aussehen, nur die blonden und blauäugigen unter uns. Wir kaufen für alle Fakturas, kleine süße Gebäckstücke sowie Baguette. Nach dem Frühstück fahren wir samt Gepäck in den Busbahnhof der in der Innenstadt von Buenos Aires liegt. Die Stadt scheint riesig, was sie mit ihren beinahe 16 Mio. Einwohnern sicherlich auch ist, das sind schließlich fast zweimal so viele wie in ganz Bolivien. Am „Terminal“ treffen wir uns mit den anderen Freiwilligen und geben unser Gepäck mit einem etwas ungutem Gefühl in der Gepäckaufbewahrung ab. Anschließend schlendern wir durch die Innenstadt. Vieles ist sehr europäisch geprägt. Vor allem die Gebäude. Auch ein Großteil der Menschen wirk sehr europäisch auf mich. Es gibt teure Einkaufszentren neben kleinen Kioskos. Ein Gitarrist spielt griechische Musik.
Anschließen gehen wir Asado essen. Ich würde Asado als eine Platte gegrilltem argentinischem Fleisch bezeichnen. Sehr lecker, nur der Darm ist nicht gerade nach meinen Geschmack. Anschließend schauen wir uns noch ein wenig die Stadt an, besichtigen den Obelisken und fahren mit der U-Bahn zurück zum Busterminal.
Auf dem Weg nach Jujuy
Von hieraus geht es weiter nach Jujuy. Etwas mehr als 20 Stunden Busfahrt die sich wesentlich angenehmer gestalten als erwartet. Die Sitze gleichen verstellbaren Kinosesseln, es gibt ein warmes Abendessen, Getränke und Snack und Indianer Jones auf Englisch. Die Bequemlichkeit des Busses ist kaum zu beschreiben. Schon bald nach der Abfahrt wird es dunkel. Als ich aufwache finde ich mich in einer sehr ländlichen Gegend wieder. Es ist sehr flach. Ab und an weiden Rinder oder Hühner laufen am Straßenrand vorbei. Alle paar Kilometer gibt es kleine Siedlungen. Gegen Mittag wird das Gelände hügeliger und gleichzeitig auch weniger besiedelt.

Nach 20 Stunden Fahrt kommen wir in San Salvador de Jujuy auf 1219 Metern an. Auch hier gibt es eine Freiwilligen-WG und wieder werden wir von unseren Vorgängern abgeholt. Es sind 30°C im Schatten und die meisten von uns sind viel zu warm angezogen, da in Bueos Aires noch eher kühlere Temperaturen herrschten. Wir laufen mit durchschnittlich 30 Kilo Gepäck pro Person in die 15 Minuten entfernte WG. Auch hier haben nun 4 Leute ihr neues Zuhause erreicht. Auch in dieser WG gibt es eine große Dachterrasse und ein unglaublich leckeres Asado am Abend. Am nächsten Morgen machen sich dann die übergebliebenen ( 3 Peru- und 15 Bolivienfreiwillige auf den Weg an die Bolivianisch-Argentinische Grenze. Wir fahren in einem Linienbus und sind die einzigen Gringos (Weißen). Desto weiter wir ins Landesinneren kommen, desto indigener scheint die Gegenden. Nach 5 Stunden Fahrt durch eine Steinige Landschaft, kommen wir in der Grenzstadt La Quiaca an. Von hier an geht es dann ca. 30 Minuten auf über 2000 Höhenmetern zu Fuß über die Grenze in die Bolivianische Grenzstadt Villazón..
Endlich Bolivien
Doch von hier geht die Fahrt erst richtig los. Nachdem wir uns mit Wasser, Nüssen und Kokablättern eingedeckt haben, geht es von hieraus weiter Richtung Cochabamba. Von hier an gibt es bis Potosi keine asphaltierten Straßen mehr. Das bedeutet für uns eine Huckelfahrt über Schotterpisten mitten durch die Anden. Bei einigen der Gruppe macht sich die Höhe bereits durch Kopfschmerzen und Nasenbluten bemerkbar. Die Landschaft ist sehr kahl.

Kaum grün, nur trockene, kniehohe Büsche. Ab und an ein kleines Dorf auf Lehmhütten, mitten im Nichts. Wobei ich finde, das Nichts nicht das richtige Wort ist. Es ist nur einfach anders. Nach 2 Stunden Fahrt wird es dunkel. Nachdem wir einen Bachlauf überquert haben bleibt der Bus plötzlich mitten auf der Strecke stehen. Wir steigen aus um uns etwas die Beine zu vertreten. Der Himmel ist atemberaubend.

Man hat den Eindruck es ist mehr Weiß als Schwarz am Himmel, so hell leuchten die Sterne. Sie sind nicht nur über uns, auch der ganze Horizont ist mit Sternen bedeckt. Nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass Kühlwasser ausläuft. Nach ca. einer Stunde scheint der Schaden behoben, jedenfalls fahren wir weiter. Im Bus ist es kalt und laut. Schlafen stellt sich als schwieriger heraus, als erwatet. In Tupiza halten wir am Terminal (Busbahnhof) um den Bus vollständig reparieren zu lassen. Wir trinken an einem kleinen Stand Mate de Coca (Kokatee). Die Besitzer sind sehr nett. Sie haben 3 Kinder, 2 Mädchen (4 und 5) und einen Jungen (2). Leider habe ich ihre Namen vergessen. Der Vater, Miguel, schaukelt seinen Sohn auf dem Arm, während uns seine Frau Tee einschenkt und anderen Gästen Kleinigkeiten zu Essen zubereitet. Wir spielen mit den Kindern und winken zum Abschied als wir weiterfahren.

Über Potosí (3960 Höhenmeter) und Ouro geht es weiter nach Cochabamba. Cochabamba liegt auf ca. 2560 Höhenmetern am

Fuß des Berges Tunari und wird auch „die Stadt des ewigen Frühlings“ genannt. Nach ca. 23 Stunden fahrt fängt es an bergab zu gehen. Die Straßen werden kurviger und die Landschaft grüner.
Cochabamba
Nach 27 Stunden kommen wir endlich am Busterminal an und werden auch hier von unseren Vorgängern empfangen, in deren WG wir fahren. Wir erleben den Wassermangel, welcher in Cochabamba herrscht, hautnah. Nachdem 3 Leute geduscht haben, gibt es kein Wasser mehr. Am nächsten Tag geht das Spiel wieder von vorne los.

Es heißt also Wasser sparen. Montags, also nach 2 entspannten Tagen in der WG (welche zur Akklimatisierung dienen sollten), ziehen wir in ein Zentrum um, im welchen unser On-Arrival-Training (OAT) stattfinden wird. Das OAT fand mit 4 Ehemaligen Bolivienfreiwilligen sowie Referenten aus verschiedenen Projekten statt. Neben Themen wie Gesundheit, Kultur, „Die Rolle des Freiwilligen“ und Armut, gab es interaktive Workshops, wie z.B. Handpuppen aus Müll basteln, Schach für Kinder und Jugendliche, einen Ausflug in einen Naturpark mit Diskussionsrunde und Spiele für draußen.

Freitags gehen einige auf eine K’hoa, ein Ritual für Patchamama („Mutter Erde“), das jeden ersten Freitag im Monat geferiert wird. (Ich werde in einem andern Bericht auf dieses Thema zurückkommen, da ich noch das Gefühl habe, nicht genug über dieses Thema zu wissen, um darüber berichten zu können.) Als wir die K’hoa verlassen wollen, finden wir ein großes Polizeiaufgebot vor. Nach einer kleinen Diskussion, winkt uns ein Polizist durch und wir denken es wäre alles in Ordnung und wir könnten gehen. Doch stattdessen wurden wir auf einen Polizeitransporter geführt. Es stellte sich heraus, dass das Problem darin liegt, dass wir keine Pässe mit uns führten. So sitzen wir nun also zu 10 auf einer kleinen Ladefläche, auf welcher rechts und links ein Holzbrett zum Sitzen befestigt war. An jeder Ecke der Ladefläche steht ein Polizist samt Maschinengewähr. Um 23:52 Uhr fahren wir los. Die Uhrzeit ist mir deswegen so gut in Erinnerung geblieben, da meine Mitfreiwillige Annika um 24:00 Uhr Geburtstag hatte. Wir stimmten also fröhliche Geburtstagslieder an, was die Fahrt ins Polizeirevier merklich verkürzte und angenehmer gestaltete. Im Polizeirevier angekommen, regelte sich die Situation glücklicherweise schnell. Es wurde sich darauf geeinigt, dass alle anwesenden Personen am nächsten Tag mit gültigen Papieren in der Migrationsbehörde erscheinen müssten. Meiner Meinung nach ein guter Deal, aber die Hauptsache war, dass wir wieder frei waren. In der Migrationsbehörde bekamen wir am nächsten Tag eine Kopie unseres Passes, mit dem Stempel der Behörde, mit dem wir uns nun jederzeit ausweisen können. Sehr praktisch, da man so nicht ständig seinen Pass mittragen muss, in der Angst ihn geklaut zu bekommen. Am nächsten Tag verzögert sich unsere Weiterreise nach La Paz, da in Cochabamba „Tag des Fußgängers“ war. Es fuhren also erst Abends wieder Busse. Wir fuhren über Nacht, deswegen gibt es von dieser siebenstündigen Reise kaum was zu Berichten, außer, dass ich schön träume und wohlauf in El Alto – La Paz ankomme.


